Englische Züge


Das nächste Projekt sollten drei stapelbare Ablagekästen für meinen Schreibtisch werden.

Ich hatte meine Vorstellungen dazu skizziert und im Spannagel "Der Möbelbau"entdeckt, dass sie wie "Englische Züge" aussehen.

Das hörte sich toll an. Mein Interesse war geweckt herauszufinden, wie die Tischler diese Geräte früher gebaut haben.

Unter dem Kapitel "Schubladen - Schubkasten" beschreibt er die "Englischen Züge" sinngemäß wie folgt:

die Züge sitzen innerhalb (..des Schrankes..), also hinter den Türen.


Es werden zwei unterschiedliche Arten beschrieben:


Ich habe mich für die Variante mit dem schmalen Vorderstück entschieden.

Zu diesem Zug schreibt Herr Spannagel weiter:
Der Boden wird in das Vorderstück und in die Seiten in eine Nut eingeschoben, und zwar auf die Weise, dass die Richtung seiner Holzfaser parallel zum Vorder- und Hinterstück läuft (Anmerkung: in Längsrichtung verändert sich das Holz kaum und bleibt deshalb in der Seitennut stabil). Die untere Wange darf nicht zu schmal sein, da sonst die Gefahr besteht, dass sie bei starker Belastung leicht abdrückt. Der Schubladenboden wird von hinten eingeschoben und von unten mit dem Hinterstück verschraubt, deshalb ist das Hinterstück um die Wange und Nut schmaler.
Die Schwalben der Seiten stehen hinten ca 5mm über, damit durch bestoßen der Hirnflächen die Einschubtiefe eingestellt werden kann (da ich die Züge nicht in einen Schrank einschieben will, habe ich dies so nicht gemacht).


Auch dieses Projekt habe ich mit einer Werkstattzeichnung im Maßstab 1:1 begonnen.

Da es sich um eine recht übersichtliche Konstruktion handelt, reichte die Seitenansicht mit einem Schnitt aus. Sehr hilfreich war dabei die Anordnung des Einzinkers und die Lage der Nuten.



Nachfolgend beschreibe ich in kurzen Worten die wesentlichen Arbeitsschritte.
(Klicken Sie auf die Bilder, um Vergrößerungen zu sehen)



Nach dem Ablängen der Seiten habe ich die Schweifungen mit einer Schweifsäge gesägt.


Die s-förmige Schweifung habe ich auf eine Pappschablone aus der Zeichnung übertragen, die ich dann zum Anreißen benutzt habe.
Jetzt kommen ein paar wesentliche Tricks, die mir mein VHS-Lehrer gezeigt hat:
das Seitenteil wird in die Vorderzange gespannt, ein Winkel wird im Bereich des Risses rechtwinklig zum Werkstück auf die Hobelbank gelegt, das Blatt der Schweifsäge wird so schräg eingestellt, dass man den Riß gut sehen kann und dann wird gesägt.

Wichtig ist, dass man drei Funktionen gleichzeitig beobachtet: Außerdem immer ganz durchziehen, die Säge hat man ja auch ganz bezahlt.


Das Zinken will ich nicht weiter beschreiben, das habe ich bei den anderen Projekten schon gemacht.
Ich beginne immer mit dem Anreißen und Stemmen der Zinken. Ich habe es auch schon mal mit den Schwalben versucht, das gefällt mir aber nicht so gut.



Die Nuten habe ich mit einem Bergmann-Hobel mit 5mm breitem Eisen hergestellt.
Dabei nehme ich den Hobel nach jedem Stoß aus der Nut heraus und setze ihn neu an; das gibt immer eine saubere Nut, denn beim Zurückziehen können leicht die Wangen beschädigt werden.


Die linke Seite vorne mit dem Schwalbenschwanz und der durchgehenden Nut.


Das Vorderstück mit dem verdeckten Zinken und der durchgehenden Nut.


Das Vorderstück mit eingeschobenem Boden.


Die rechte Seite hinten mit den Schwalbenschwänzen und der durchgehenden Nut.


Die linke Seite mit dem eingeleimten Einzinker.
Wie hier gut ersichtlich, ist die Nut verdeckt.


Die rechte Seite hinten mit geleimten Schwalbenschwanzverbindungen und eingeschobenem Boden.
Ich habe mich beim Boden für die Verwendung von Kiefernsperrholz entschieden.



Der fertige "Englischer Zug" wie er eigentlich in einem Schrank eingeschoben wird.



So will ich die drei gebauten Züge stapeln und auf meinem Schreibtisch als Ablagekästen nutzen.



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Autor: Eckhard Pohlmann
Letzte Änderung: 31.03.2003