Schranktüren

Rahmenverbindungen habe ich ja nun geübt, aber für welches Projekt kann ich sie anwenden, habe ich mich gefragt.
Da viel mir der offene Werkzeugschrank ein, in dem hauptsächlich Hobel untergebracht sind. Ich hatte schon immer vor, dafür mal Türen zu bauen.
Es sollten Türen werden, wie sie die Tischler früher mit Handwerkzeug hergestellt haben.

Folgendes hatte ich mir vorgenommen:




Das ist der Schrank.
Breite: 80 cm
Höhe: 100 cm
Tiefe: 30 cm
Hergestellt aus fertigen Leimholzplatten.


Nachfolgend beschreibe ich in kurzen Worten die einzelnen Arbeitsschritte.
(Klicken Sie auf die Bilder, um Vergrößerungen zu sehen)


Begonnen habe ich mit einer Freihandskizze und einer Materialliste.
Das Holz habe ich auf Dicke gehobelt gekauft, sodass ich die Leisten und Füllungen nur noch ablängen und putzen musste.


Bei der Möbelherstellung in der Tischlerei wird auch heute noch eine Werkstattzeichnung angefertigt, im Gegensatz zur computergesteuerten Fabrikfertigung.
Die Werkstattzeichnung, auch Fertigungsriß oder Brettaufriß genannt wird im Maßstab 1:1 gezeichnet.
Handelt es sich um Zeichnungen, die nicht mehr auf genormtes Papier passen, wird als Zeichenunterlage Sperrholz genommen, daher auch die Bezeichnung Brettaufriß.
Glücklicherweise hatte ich mein altes Reißbrett aus meiner Lehr-/Studienzeit aufgehoben, was mir jetzt gute Dienste leistete.



Gezeichnet habe ich eine Tür mit allen sichtbaren und verdeckten Linien, sowie die wichtigsten Schnitte.
Im Lehrbuch für Tischler von Flocken und Walkling aus dem Jahre 1944 wird gelehrt, das alle Maße im cm angegeben werden (so war mir, 'Metaller/Elektriker', das auch noch aus meiner Lehrzeit in Erinnerung). In den neueren Büchern, wie z.B. 'Grundwissen Holztechnik' vom Verlag Handwerk und Technik, wird inzwischen aber gelehrt, dass in mm vermaßt werden soll.


Nach der Auswahl der Seiten (rechte Seite nach außen), habe ich die Aufbauzeichen angezeichnet. D.h. auf alle Teile je Tür das Pyramidenzeichen um immer eine eindeutige Zuordnung zu gewährleisten.


Nun konnte ich den Nutzen aus der Werkstattzeichnung ziehen, die Maße ließen sich ganz einfach auf die Holzteile übertragen.


Um bei allen 4 senkrechten bzw. 6 waagerechten Rahmenleisten die exakten Risse zu bekommen, habe ich mit Zwingen die Bauteile fixiert.



Die Linien aus der Zeichnung, die ich auf eine Leiste übertragen habe wurden nun auf alle 4 bzw. 6 übergewinkelt..


Zum Anreißen der Schlitze und Zapfen eignet sich am besten ein Zapfenstreichmaß, bei dem der Abstand der Reißnadeln auf die Breite des Schlitzes bzw. Zapfens eingestellt wird..


Mit einem Riß werden dann beide Linien hergestellt..


Für die Schnitte in Faserrichtung benutze ich eine schöne schwere Rückensäge von Sandvik. Mit dieser Säge lässt sich der Zapfen oder der Schlitz ohne Druck nur durch das Gewicht des Messingrückens verlauffrei sägen.


Ein Lochbeitel, genau in der Stärke des durchgehenden Zapfenloches (hier 8 mm) ist für diese Arbeit genau das richtige Werkzeug. Das Loch wird von beiden Seiten, jeweils bis zur Mitte gestemmt. Der Lochbeitel ist ein stabiles Werkzeug und kann mit dem größten/schwersten Klüpfel bearbeitet werden.


Damit beim Stemmen das Werkstück eine sichere und feste Auflage auf der Hobelbank hat, wird ein senkrechtes Holzstück in die Vorderzange gespannt und mit einer Zwinge die Rahmenleiste festgeklemmt.


Die Nut für die Füllung wird sinnvoller Weise in der Breite der Zapfen gehobelt. Hier also 8 mm und 10 mm tief. Benutzt habe ich einen Nuthobel von Ulmia. Wenn man bei der Konstruktion nicht aufgepasst hat, wird jetzt der Zapfen 10 mm abgehobelt und es entsteht ein Loch, d.h. die Schlitze in den senkrechten Rahmenteilen müssen immer um die Tiefe der Nut reduziert werden.


Nun kam für mich die komplizierteste Arbeit, da ich so etwas bis her noch nicht gemacht hatte.
Bei einigen Probestücken an Abfallholz habe ich festgestellt, dass es unheimlich schwierig ist bei der kompletten Abplattung den Hobel immer am Anschlag zu führen.
Schafft man es nicht, kann man die Fläche mit dem Vorschneider zerkratzen.
Deshalb habe ich zu erst mit der angewinkelter Plattbank den Absatz gehobelt. Danach habe ich den Vorschneider herausgenommen und die Schräge auf die erforderliche Stärke (< 8mm) gehobelt.
Durch das schräggestellte Eisen ließ sich auch die Fläche quer zur Faser gut hobeln, Voraussetzung ist ein scharfes und gut eingestelltes Eisen.


Die Füllung wird nicht geleimt, sie muss sich frei in der Nut bewegen können und auch ausreichend Spiel haben, da sich hauptsächlich zu den Seiten die Füllung durch Quellen ausdehnen kann.


Jetzt kann die Tür zusammen gebaut werden.


Die Falze in der Mitte fehlen noch.
Mit einem einstellbaren Falzhobel konnte ich die Fälze sehr schön hobeln, man sieht es an den Spänen.
Auch hier eine Stelle bei der man bei der Konstruktion aufpassen muss, denn die hinten liegende Tür muss um den Falz breiter sein.
Hat man da nicht aufgepasst werden die Türen unsymmetrisch.


Drei Messingscharniere je Tür habe ich eingepasst.


Noch die Scharniere an den Korpus geschraubt und fertig ist der Schrank.


Geschlossen sieht er so aus.
Griffknöpfe habe ich noch nicht, da ich nicht so recht weiss wie sie aussehen sollen. Ich werde sie wohl auch aus Kiefernholz drechseln.


Auf der rechten Seite sind Meß- und Anreißwerkzeuge untergebracht und auf der linken Stemm- und Stechwerkzeuge.


In der oberen Reihe sind einige Schnitzwerkzeuge und in den beiden unteren Reihen Stemmeisen von 2 bis 40 mm Breite gehaltert.

Und hier:

Es war eine schöne Arbeit und hat viel Spaß gemacht.



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