Ein Hocker für die Werkstatt


Dieses Bild entdeckte ich vor längerer Zeit . Leider kann ich weitere Angaben zu der Herkunft nicht machen, da ich die Quelle vergessen habe.
Mir gefiel diese schöne alte Werkstatt und der Hocker hatte mich sofort fasziniert.
Wie oft habe ich mit krummem Rücken an der Hobelbank gestanden und Arbeiten ausgeführt, die man besser im Sitzen hätte machen sollte.
Ein Stuhl ist jedoch nicht geeignet, er ist nicht hoch genug und die Lehne stört.

Ein Hocker, wie auf diesem Bild, mußte also her!



Bei einigen Bildern erhalten Sie duch einen "Klick" in das Bild eine Vergrößerung.
Wenn man annimmt, dass die Hobelbank so um 85 cm hoch ist, hat der Hocker wohl diese Abmessungen.



Als Holzart habe ich Kiefer ausgewählt und die Arbeiten sollen , bis auf die Längsschnitte, alle mit Handwerkzeugen durchgeführt werden.

Diese schöne , 50 mm starke, Kieferbohle habe ich mir dafür gekauft.

Um die Spannung herauszunehmen, habe ich die Bohle in der Mitte längs aufgeschitten.
Aus vier Teilen wird nun eine Platte angefertigt.
Kern an Kern, Splint an Splint werden die Teile zusammengelegt und mit dem Aufbauzeichen gekennzeichnet.
Mit der Rauhbank werden die Schnittkannten gefügt.
Ich habe hierzu eine kurze Ulmia-Rauhbank benutzt.

Die Teile werden zu einer Platte von ca. 40 x 40 cm zusammengeleimt.

Die nachfolgenden Schritte habe ich nicht fotografiert, da sie eigentlich zum Standard gehören.

  1. Die "linke Seite" kommt nach unten.
  2. Nach dem Schlichten und Putzen der linken Seite wird von hier aus mit dem Streichmaß die Stärke angerissen. Der Sitz soll 40 mm stark werden.
  3. Danach habe ich mit dem Schrupphobel die "rechte Seite" ca. 10 mm abgezwercht.
    D.h. ich habe diagonal zur Faserrichtunug von allen Seiten gehobelt. Dabei immer den Riß im Auge behalten und zwischendurch kontrolliert, ob die Fläche eben ist.
    Zum Schluß habe ich dann den Schrupphobel gegen die Rauhbank ausgetauscht um die Spuren, die durch das runde Eisen entstanden sind, zu beseitigen.
  4. Auch die rechte Seite wird anschließend geputzt.
  5. Mit dem Stangenzirkel habe ich den Kreis für die Bohrungen der Löcher für die Beine und den äußeren Kreis angerissen.
  6. Gebohrt habe ich die Löcher mit einem 26 mm Forstnerbohrer 10° nach außen von der senkrechten Mittellinie. Dazu habe ich mir eine Unterlage im Winkel von 10° hergestellt, die ich unter die Platte gelegt habe, sodass ich senkrecht bohren konnte.
Obwohl die Platte 40 mm stark ist, habe ich zur Stabilisierung zwei Gratleisten eingeschlagen.
Die Herstellung können Sie hier sehen: Gratleisten
Die runde Form des Sitzes habe ich mit einer Ulmia Schweifsäge hergestellt.
Wichtig dabei ist es, dass man immer mit der Faserrichtung sägt. Also jeweils ein Viertel und dann die Platte umspannen.
Um immer einen rechtwinkeligen Schnitt zu bekommen, hilft ein Winkel, der auf der Hobelbank liegt. Wenn das Sägeblatt mit dem Schenkel des Winkels parallel geführt wird, stimmt auch der Schnitt.
Geputzt habe ich die Rundung mit einem Schiffhobel. Wenn das Eisen richtig scharf ist, kann man auf das Schleifen verzichten.
Beim Hobeln gilt wie beim Sägen, immer in Faserrichtung arbeiten.
Mit einem Schabhobel No 54, mit einstellbarem Maul, habe ich die Außenkante der Oberseite abgerundet.
Die Beine habe ich auch aus der Kieferbohle gesägt, quadratisch 4 x 4 cm.
Nach oben habe ich einen "Flaschenhals" zur Aufnahme in die Bohrungen der Platte gedrechselt.
Damit die Beine eine gefällige Form bekommen, habe ich die Kanten nach unten hin angefast, sodass die untere Fläche ein gleichseitiges Achteck ergibt.

Die Beine habe ich von oben mit Keilen aus Buchenholz verkeilt.
Hierbei ist zu beachten, dass die Keile quer zur Faserrichtung des Sitzes eingetrieben werden, damit keine Spaltwirkung entsteht.
Anschließend wird der Überstand abgesägt und mit einem Hirnholzhobel verputzt.
Und hier steht der Hocker vor meiner Hoblebank.




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Autor: Eckhard Pohlmann
Letzte Änderung: 31.01.2004